KBL Kantonsbibliothek Baselland, Liestal

Mérite un voyage

Michael Guggenheimer

Das Gebäude ist auffallend. Wer mit der Bahn von Zürich nach Basel unterwegs ist, sieht es rechterhand bei der Durchfahrt in Liestal auf der Höhe des Bahnhofs: Ein markanter Bau mit hohem Ziegeldach und einem gläsernen Dachreiter. In den rotbraunen Ziegeln sind die drei grossen Buchstaben ALA zu erkennen. Bloss zwei Gehminuten vom Liestaler Bahnhof befindet sich dieses Gebäude. Leuchtend Gelbgrün die im Innern des Gebäudes auffallende Farbe der Böden und Möbel. Nicht minder auffallend die schweren, dunklen Holzbalken. Rustikale Holzstruktur und moderne Innenarchitektur gehen in diesem Bau eine wunderbare Verbindung ein.

Grosszügige Räume, Struktur des Weinlagerhauses ist sichtbar.

Das frühere Weinlagerhaus hat seit dem radikalen Umbau vor zehn Jahren eine neue Funktion und ein neues Innenleben erhalten. An die frühere Nutzung erinnern Aufschriften in Grossbuchstaben und in schwarzer Farbe an den schweren, tragenden Querbalken im Gebäude: DOM.DE CHEVALIER, L’HERMITAGE, MARGAUX, LARMANDE, PENSEE DE LA FLEUR. Es sind Namen von Weinsorten, die hier einst gelagert wurden. Wer den Blick über eine Brüstung im Lichtschacht in der Mitte des Gebäudes nach unten richtet, entdeckt in einem Wasserbecken noch ein Buchstaben-Mosaik. Jetzt wird klar: A LA und diese Buchstaben ergeben den Anfang eines berühmten Buchtitels und die Funktion einer Bibliothek: A LA RECHERCHE. Der Künstler Stefan Banz hat diese Kunst am Bau konzipiert, zu der noch eine Leseratte und ein Bücherwurm über dem Haupteingang gehören.

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Kantonsbibliothek Baselland. KBL heisst die offizielle Abkürzung. Ein wunderbarer Buchort. Für Freunde des Buchs müsste der Guide Michelin noch hinzufügen: „Mérite un voyage“. Im Erdgeschoss das Lesecafé mit seinen zehn weissen Tischen und der Theke mit Kuchen und Sandwiches, nebenan ein langer Informationsschalter, an beiden Seiten der Halle ein Lesesaal und ein Gruppenraum. Dazwischen die Belletristik. Und nicht zu verachten die reiche Auswahl an regionalen, inländischen und ausländischen Tageszeitungen und Zeitschriften. Im ersten Stockwerk auf der einen Seite die Jugendbücher, ihnen gegenüber die Kinderbuchabteilung. An warmen Tagen lädt eine grosszügige Leseterrasse zum Verweilen ein. Informatikbücher, Film / Theater sowie Musik heissen zwei Bibliotheksbereiche, die mit DVD’s und CD’s gut ausgestattet sind.

Im zweiten Obergeschoss, wo immer noch Hellgrün als Farbe dominiert, die Sachbuchbereiche von Botanik bis Wirtschaft und Zoologie. Kleine Lesenischen mit Fenster, einem grosszügig dimensionierten abschliessbaren Fach, Internetanschluss und genügend Licht bilden individuelle Einpersonen-Arbeitsbereiche in Büchernähe. Im dritten Obergeschoss der Sachbereich Geschichte und Ethnologie sowie ausserordentlich grosszügig bestückt „Länder + Reisen“ sowie Gestelle mit Wander-, Rad- und Landkarten. Der ganze Bau strahlt eine Helligkeit, trotz den schweren Holzbalken auch eine Leichtigkeit und eine Grosszügigkeit aus. wLAN im Haus, 25 Computerarbeitsplätze, Kopiergerät und eine Präsentation von Neuerscheinungen und empfohlenen Büchern auf jedem Stockwerk. Auffallend auch der Bücherlift: Die Bücher, die im Erdgeschoss zurückgebracht werden, werden in einem gläsernen Schacht in Boxen nach oben zu den jeweiligen Sachbereichen transportiert, wo Mitarbeitende sie wieder in den Büchergestellen versorgen. Und als Service-Highlight in den Monaten Oktober bis und mit April die Öffnungszeiten: Von 9 Uhr morgens bis nachmittags um 4 ist die Bibliothek an Sonntagen geöffnet!

Das System der Selbstausleihe in diesem als Freihandbibliothek konzipierten Ort überzeugt. Auf den vier Geschossen des Hauses stehen 90 000 Medien zur Auswahl. In den Magazinen sind weitere 150 000 Bände vorhanden. Und weil das Haus der Kultur verpflichtet und die Stadt Basel so nah ist, befindet sich im zweiten Obergeschoss eine Vorverkaufsstelle des Theater Basel. Das Internetportal bietet umfassende Dienstleistungen an: von Zuhause aus lassen sich Titel im Online-Katalog bestellen und reservieren. Rund 10 000 Bücher, Hörbücher, Musik, Filme und Zeitschriften lassen sich als digitale Medien auf dem Rechner zuhause herunterladen. Ein Veranstaltungskalender weist für die letzten und kommenden Monate Lesungen und Diskussionsrunden auf. Sympathisch die Beachtung von Schweizer Autorinnen und Autoren: Isolde Schaad, Lukas Hartmann, Alex Capus, Silvia Tschui, Lukas Bärfuss, Thomas Meyer, Reto Hänny und Tim Krohn sind Gäste des Hauses. Und weil sich die Kantonsbibliothek Begegnungsort versteht, fordert sie in einem Prospekt Leserinnen und Leser auf, Lesekreise zu gründen. „Lesen ist die wohl am stärksten verbreitete kulturelle Aktivität und wird trotzdem in der Öffentlichkeit kaum als solche wahrgenommen“ heisst es in der Broschüre. Buchort pflichtet dem bei und propagiert deshalb die Liebe zum Buch und Buchorte als Heimaten guter Bücher!

 

Kantonsbibliothek Baselland
Emma Herwegh-Platz 4
4410 Liestal
T: 061 552 50 80
www.kbl.ch

 

Zuoberst

 Heinz Egger

Wenn nur diese Dunkelheit nicht wäre! Es ist ein kaltes Gefängnis. Einige Tage sah ich draussen Leute kommen und gehen, ihre Mäntel ablegen, miteinander schwatzen. Seit einigen Tagen ist diese Sicht auf einen Bruchteil zusammengeschrumpft. Ein Papier mit einem Text darauf verdeckt die volle Sicht. Was darauf steht, kann ich nicht entziffern, Spiegelschrift und die runden Löcher lassen es nicht zu. Einmal höre ich links von mir eine Türe gehen, dann unter mir, dann etwas weiter entfernt. Nur meine bleibt zu.

Die Luft wird zunehmend schlechter. Etwas riecht nach lange getragener Mütze, und neben mir ist wohl eine Banane schwarz geworden. Zudem lehnt sich ein Notizbuch an mich und der Gummi einer Dokumentenmappe drückt mich am Kopf.

„Zwischn jidn is men kejnmol nischt farlojrn.“ Wäre würde ich sagen. Ich bin so allein zwischen diesen goj’schen Papieren.

Da, endlich, an meiner Türe wird gearbeitet. Ein Schlüssel wird eingesteckt, der Riegel wird gedreht und das Geldstück scheppert im Auffangfach. Ah, Helle dringt ein.

Ich werde herausgenommen und mit dem Rest in eine Kiste gelegt. Und nun sehe ich auch den Text auf der Türe: Achtung! Dies sind Tagesschliessfächer … Geschlossene Schliessfächer werden regelmässig aufgeschlossen, die Kosten gehen zu Ihren Lasten. Gut, wenn sich der Kästchenbesetzer denn meldet. Ich sehe mehrere solcher Zettel und einige Fächer ohne Schloss. Ja, das Schloss muss natürlich ausgewechselt werden.

Meine Reise geht weiter an die Informationstheke, wo auch die Buchrückgabe stattfindet. Hier wird geschaut, ob ich ausgeliehen bin – dann wäre der Kästchenbesetzer auch gefunden. Ich bin es nicht. Daher lande ich in einer grauen Kiste. Da sind schon einige Bücher drin. Ich habe Glück und liege ganz obenauf. Es ist sehr hell von der langen Fensterfront der Caffeteria. Eine Männergruppe sitzt beieinander. Sie haben es lustig.

Auf der Theke steht ein Schild: Stecken Sie sich die Kantonsbibliothek in die Tasche! Auf dem Bild steckt ein Smartphone in einer Hosentasche. Es ist eine Werbung für die Digitale Kantonsbibliothek (www.e-kbl.ch). Ist das eine Gefahr für die Papierbücher? Bin ich froh, etwas älter zu sein!

In grauen Kisten erreichen zurückgegebene Bücher im Lift ihre Etage

Plötzlich schüttelt und rüttelt es. Meine Kiste holpert über Rollen in den Warenlift. Und langsam fahre ich drei Stockwerke hoch. Alles schimmert gelb-grün um mich herum. Schwere Holzstützen und massive Balken tragen die Etagenböden. Die Stockwerke sind offen, die Gestelle stehen in grossen Abständen da. Überall stehen Leute, blättern in Büchern oder sitzen an einer der Arbeitsstationen und suchen etwas im Online-Katalog. Oben fällt Tageslicht durch den Glasdom auf dem Dach. Dort nimmt ein junger Bibliothekar die Kiste in Empfang und stellt sie auf einen kleinen Wagen. Damit reist er rund um den zentralen Turm mit Treppe, Personen- und Warenlift von Abteilung zu Abteilung. Er passiert dabei die schlauchartigen, schmalen Arbeitsnischen, an deren Ende ein Fenster den Blick auf die umliegenden Gebäude freigibt. Der Tisch reicht von Wand zu Wand, eine Leuchte links, Steckdosen rechts. Viele der Nischen sind besetzt. Immer wieder geht der Bibliothekar zwischen die Gestelle und stellt Bücher zurück. Ich erkenne Reisen, Geschichte und Sprache als Themen. Zum letzten gehöre ich.

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Ich bekomme einen Ehrenplatz auf dem Tablar in Augenhöhe. Auf einem Präsentationsständer liegend, zeige ich stolz mein Cover: Miriam Weinstein, Jiddisch – eine Sprache reist um die Welt.

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